Eines der besten Geburtstagsgeschenke, die ich jemals bekommen habe, war eine Zuckerwattemaschine, genauer die VEVOR Zuckerwattemaschine mit 1000 W. Sie macht hervorragend Zuckerwatte und war seitdem schon bei vielen Veranstaltungen dabei, zum Beispiel bei der AG EH MED e. V. oder auf Festen.

Zuckerwatte kommt überall gut an. Für Vereine ist sie außerdem eine schöne Möglichkeit, etwas auszugeben, ohne dass dabei viel Kosten entstehen: 400 Stäbchen und der passende Zucker kosten zusammen weniger als 25 €.

Das Problem: Aufräumen und Reinigen

Nachdem die Maschine einige Zeit im Einsatz war, hat mich vor allem eines zunehmend gestört: das Aufräumen und Reinigen danach.

Die meisten Teile lassen sich eigentlich sehr gut sauber machen. Gibt man nach dem Betrieb bei eingeschaltetem Gerät langsam etwa 2 l Wasser in den Drehteller, also dort, wo sonst der Zucker hineinkommt, ist dieser schnell wieder sauber. Cave: Dabei entsteht ordentlich Dampf. Also lange Ärmel tragen, gegebenenfalls Handschuhe, und das Wasser langsam über ein bis zwei Minuten hinzugeben. Die Edelstahlwanne und die transparente Abdeckung lassen sich abnehmen und einfach unter fließendem Wasser abspülen.

Leider gibt es zwischen dem Drehteller und dem Gehäuse der Maschine von oben einen Spalt, in den Zucker hineinfallen kann. Grundsätzlich hat VEVOR hier mitgedacht und ein Schutzblech mitgeliefert, das diesen Bereich abdeckt. Das Blech ist allerdings auf Nietmuttern im Gehäuse verschraubt. Zwischen Gehäuseboden und Schutzblech bleibt deshalb immer ein Spalt, in dem sich Zucker und Zuckerwasser sammeln. Um die Maschine richtig sauber zu bekommen, musste ich also jedes Mal das Blech abschrauben. Das geht nicht ohne Werkzeug und dauert.

Daher kam meine Idee, das Schutzblech durch etwas zu ersetzen, das sich einfach abnehmen lässt.

Der Schutzring

Konstruiert habe ich den Schutzring in Fusion 360. Er besteht aus zwei gleichen Hälften, die zusammen einen flachen Ring mit 188 mm Außendurchmesser, 100 mm Innendurchmesser und 18 mm Höhe ergeben. Die Oberseite ist als Rinne gewölbt, so dass sich keine Kanten bilden, an denen Zucker hängen bleibt, und am inneren Rand steht eine kleine Kante nach oben, die den Spalt zum Drehteller abdeckt.

Rendering des Schutzrings von oben, eine schwarze und eine blaue Hälfte ergeben zusammen einen geschlossenen Ring Rendering einer einzelnen Ringhälfte schräg von oben, an einem Ende mit überstehender Lasche, in den Stirnflächen sind kleine Löcher für Magnete zu sehen

An den Stoßkanten überlappen sich die beiden Hälften mit einer Stufe. So entsteht auch an den Übergängen kein durchgehender Spalt, durch den Zucker nach unten fallen könnte. Weil beide Hälften identisch sind, reicht eine einzige Druckdatei.

Magnete statt Schrauben

Zur Befestigung habe ich mich für Magnete entschieden. Pro Hälfte sind 15 Magnete mit 2 mm Durchmesser und 2 mm Höhe eingeklebt: 11 Stück halten die Hälfte auf dem Gehäuse der Maschine, 4 weitere sitzen in den Stirnflächen und halten die beiden Hälften an den Stoßkanten zusammen.

Material

Gedruckt habe ich den Schutzring aus ASA. Das ist hitzebeständiger als PLA und verträgt auch die Spülmaschine, so dass der Ring nach dem Einsatz einfach mit dem restlichen Geschirr gespült werden kann. Mit der Zuckerwatte selbst kommt der Ring übrigens nicht in Kontakt, er liegt nur unter dem Drehteller auf dem Gehäuse.

Umbau

Material

  • 2 Ringhälften aus dem 3D Drucker
  • 30 Magnete, 2 mm × 2 mm
  • Sekundenkleber

Altes Schutzblech entfernen

Das originale Schutzblech ist mit sechs Schrauben befestigt. Die habe ich einfach herausgedreht und das Blech danach nicht mehr gebraucht.

Nietmuttern ausbohren

Damit die Magnete vernünftig halten, muss die Auflagefläche glatt sein. Leider stören dabei die Nietmuttern, an denen das Blech verschraubt war, denn sie stehen über die Oberfläche hinaus. Um das Problem zu lösen, habe ich sie einfach ausgebohrt. Die Löcher, die dabei übrig bleiben, sind kein Problem, denn sie werden später vom neuen Schutzring vollständig überdeckt.

Zuckerwattemaschine von oben ohne Schutzblech, rund um den Drehteller sind die Löcher der ausgebohrten Nietmuttern zu sehen Schräge Nahaufnahme, links liegt eine weiße Ringhälfte, rechts daneben sind zwei ausgebohrte Löcher im roten Gehäuse zu sehen

Magnete einkleben

Die Magnete werden mit Sekundenkleber in die Aufnahmen der beiden Hälften geklebt. Wichtig ist dabei, vorher die Polarität zu testen, vor allem bei den Magneten in den Stirnflächen, damit sich die beiden Hälften am Ende anziehen und nicht abstoßen.

Die Magnete sollten gut eingeklebt werden, und zwar so, dass der Kleber sie vollständig bedeckt. So sind sie in der Spülmaschine vor Wasser geschützt und fangen nicht an zu rosten.

Aufsetzen

Danach werden die beiden Hälften nacheinander um den Drehteller auf das Gehäuse gelegt. Die Magnete ziehen sie dabei nicht von selbst in Position, man muss den Ring also von Hand mittig um den Drehteller ausrichten.

Zuckerwattemaschine von oben, auf einer Seite des Drehtellers liegt eine weiße Ringhälfte Nahaufnahme der Stoßkante, an der die beiden weißen Ringhälften mit einer Stufe ineinandergreifen

Nachbauen

Gedruckt habe ich die Hälften aus ASA mit den normalen Standardeinstellungen meines Slicers und ganz ohne Stützstruktur. Für einen kompletten Ring druckt ihr die Hälfte einfach zweimal:

Der Ring passt auf meine VEVOR Maschine mit 1000 W. Andere Zuckerwattemaschinen sind oft sehr ähnlich aufgebaut, vor dem Drucken solltet ihr aber unbedingt nachmessen, ob Innen und Außendurchmesser bei eurem Gerät passen.

Der Schutzring steht unter der Lizenz CC BY-NC-SA 4.0. Ihr dürft ihn also kostenlos nachbauen, verändern und weitergeben, solange ihr mich als Urheber nennt, ihn nicht kommerziell nutzt und eigene Veränderungen unter derselben Lizenz weitergebt.

Falls ihr Fragen habt oder andere Dateiformate braucht, schreibt mir gerne: wird geladen …

Fazit

Der Schutzring ist jetzt seit zwei Jahren im Einsatz und funktioniert gut. Nach einer Veranstaltung nehme ich ihn einfach ab und spüle ihn zusammen mit dem Rest. Für die gesamte Reinigung der Maschine brauche ich so nur noch etwa 10 Minuten und kann das immer direkt vor Ort erledigen.

Auch beim Verleihen ist das angenehm: Weil sich die Maschine so leicht reinigen lässt, kommt sie immer sauber zurück.